Der Realismus der
aristophanischen Komödie

Exemplarische Analysen
zur Funktion des Komischen
in den Werken des Aristophanes


von Helmut Schareika

 

222 Seiten  
   
Peter Lang Verlag, Frankfurt a.M. · Bern · Las Vegas 1978
(Europäische Hochschulschriften, Reihe XV, Bd. 13)
 

Die Arbeit untersucht das Komödienwerk des Aristophanes erstmals von einer geschlossenen Theorie des Komischen her, die das Komische in der Kunst als ästhetische Form der Kritik begreift. U. a. wird erstmals in der deutschsprachigen klassischen Philologie die Theorie der »karnevalistischen Lachkultur« des sowjetischen Literaturwissenschaftlers Michail Bachtin (1895–1975, bei ihm zentral an der Kultur des Mittelalters oder auch an Rabelais beschrieben) für die Analyse der Alten Komödie und des Aristophanes erschlossen. Gegenstand der Kritik des Aristophanes ist die politische und soziale Wirklichkeit des Athens der Zeit während und nach dem Peloponnesischen Krieg, die der Dichter seinem Publikum als ›komisch‹ im Sinne eines Historisch-Gesellschaftlich-Komischen vorführt, die er – in den Bewußtseinsdimensionen seiner Zeit – in ihren Widersprüchen analysiert und aufgrund derer er sein Publikum zu politischem Handeln für die Interessen der attischen Demokratie aufruft. Dabei gelangt die Arbeit insbesondere zu einem völlig neuen, widerspruchsfreien Verständnis des »Plutos«.

Hegel mit Blick auf Aristophanes:

»Ein elender Witz ist der, welcher nicht substantiell ist, nicht auf Widersprüchen beruht, die in der Sache selbst liegen; […]. Es ist nicht möglich, an etwas Spott äußerlich anzuhängen, das nicht den Spott seiner selbst, die Ironie über sich, an sich selbst hat. Das Komische ist: Mensch, Sache aufzuzeigen, wie es sich in sich selbst auflöst in seinem Aufspreizen. Ist die Sache nicht in ihr selbst ihr Widerspruch, ist das Komische oberflächlich, grundlos« [Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Bd. 18, S. 472, in: Werke in 20 Bänden, Frankfurt a.M. 1971].

Aus der »Vorbemerkung«:

Über Komisches zu reden, bedeutet also, über Dinge der objektiven Wirklichkeit zu reden. Damit ist die Frage des Realismus angesprochen. Die Funktion des Komischen in Kunst und Literatur ist die der Kritik des jeweils Bestehenden, Kritik von den Positionen eines Ideals aus. Das Bestehende kritisieren kann man nur, wenn man sein historisches Wesen erfaßt – das geschieht zu verschiedenen Zeiten von einem zeitbedingten Bewußtseinsstand aus. Die ästhetische Kritik muß insofern realistisch sein, wenn ästhetische Stringenz und appellative Wirksamkeit erreicht werden soll. Das gleiche gilt indes auch für die wissenschaftliche Rezeption: Sie muß gleichfalls realistisch sein. Das bedeutet zweierlei: Einmal muß sie sich realistisch verhalten gegenüber der Geschichte, zum andern gegenüber der Gegenwart. Das eine betrifft die Frage der wissenschaftlichen Methode, das andere das Erkenntnisinteresse, und dieses ist wiederum auch zukunftsbezogen. So wird die Beschäftigung mit der Geschichte Moment einer – noch utopischen – sozialen Antizipation, gewinnt Wissenschaft – auch die Literaturwissenschaft als Teil der Gesellschaftswissenschaft – ihre soziale Legitimation.

[So] richtet sich die vorliegende Untersuchung nicht nur auf ihren unmittelbaren Gegenstand, das Komödienschaffen des Aristophanes, sondern sie sucht auch ein allgemeineres Verständnis von Komischem, sprich: Historisch-Komischem, mit Blick auf die Widersprüche unserer Zeit zu vermitteln.

Inhalt

0 Vorbemerkung

1 Das Komische als ästhetische Form der Kritik

1.1 Der historisch-gesellschaftliche Charakter des Komischen

1.2 Die Funktionalität des Grotesken

1.3 Komödie als Kritik und Utopie

2 Witz und Komik – Gradstufen der ästhetischen Tendenz.
Zum Beispiel: Wolken vv. 133–220

2.0 Einführung

2.1 Witzige Tendenz: vv. 133–184

2.2 Komische Tendenz: vv. 185–220

2.3 Verfahren der komischen Ästhetisierung

2.4 Abschließende Analyse der Szene

3 Witziges Sujet und komisches Thema – Das Spiel und die Realität
Zum Beispiel : Vögel

3.0 Einführung

3.1 Der freie und Flug der Phantasie – die Forschung

3.2 Die Dialektik von Thema und Sujet

3.3 Das Stück

3.4 Die Dialektik von Inhalt und Form in den Vögeln

4 Dionysisches Fest und politischer Kampf
Der Plutos

4.0 Einführung

4.1 Die historischen Voraussetzungen des Plutos

4.2 Die Protagonisten in der Einheit des Widerspruchs: Chremylos und Karion

4.3 Die Dialektik der Handlung

4.4 Die dionysische Antizipation eines besseren Lebens

4.5 Die Dialektik der Perspektive

5 Aristophanes – Komiker des Realismus

Anmerkungen

Literaturverzeichnis