Mitsos Lyjisos

Requiem

Großer undurchdringlicher Schlaf auf tiefschwarzen Rosen
Schlaf ohne Wiegenlied und morgendliche Fenster
Schlaf des Säuglings in der Wiege, des Kindes auf dem Schoß
Schlaf auf schneeweißen Kissen der Braut
lindere das Grübeln feuchte Melodie des Windes
die du die Wasser kräuselst und werd ätherisches Gedicht
und wie die ersten Regentropfen wieg in den Schlaf die Erde
einer armen Mutter nachmittags auf dem Hügel
mit den perlmutternen Wolken wenn der Regen
im Kreis der Monate eintönig singt daß hoch und schlank
eine Zypresse rausche, um sie einzuschläfern.
Meine Mutter ruht auf Pinienkissen
hoch auf dem Hügel wo leise die Zypressen wogen.
Wände getränkt von Arzeneien zerfurcht vom Wachsein —
hier war eine Wabe Leben mit Enkeln und Urenkeln
jetzt Schränke mit Schachteln Schubladen mit leeren Fläschchen
und o! Deine armen Möbel billiges Holz werden verteilt
und von dem alten Haushalt blieben nur die Zange des Feuerbeckens
und die Hülle des Thermometers In einer Ecke vergessen

 

Aus dem Griechischen übertragen von Helmut Schareika
und Elmar Winters-Ohle

 

Näheres zu Mitsos Lyjisos (1912–1993, dem in Deutschland kaum bekannten Dichter, [Theater- und Film-]Regisseur [mit Studien auch in Paris, London und New York], Schauspieler aus Athen [eine Rolle war die des Valentins in Goethes Faust]) siehe hier (griechisch).

 

© Dr. Helmut Schareika, Gau-Algesheim a. Rh.

und Dr. Elmar Winter-Ohle, Dortmund, 2011